77. Stolperstein in Mühlhausen erstmals in einem Ortsteil verlegt

In Grabe wurde am 1. Oktober 2026 der 77. Stolperstein für Pastor Friedrich Zippel verlegt, der in Dachau verfolgt wurde.

Von Redaktion Mühlhausen/Thüringen2 Min. Lesezeit

In Grabe ist am 1. Oktober 2026 der 77. Stolperstein der Stadt Mühlhausen verlegt worden. Nach Angaben der Stadt war es zugleich der erste Stolperstein in einem Ortsteil. Er erinnert an Pastor Friedrich Zippel, der in Grabe lebte und wirkte und während der nationalsozialistischen Herrschaft wegen seiner Haltung und seines Glaubens verfolgt wurde.

Der Stolperstein liegt vor dem früheren Wohnhaus des Pastors, in dem heute ein Kindergarten untergebracht ist. An der Feierstunde beteiligten sich auch Schülerinnen und Schüler des Evangelischen Schulzentrums. Die Stadt verwies darauf, dass seit 2010 in Mühlhausen mit Stolpersteinen an Menschen erinnert wird, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt und ermordet wurden. Bislang befanden sich 76 Stolpersteine im Stadtgebiet.

Erinnerung an Friedrich Zippel

Oberbürgermeister Dr. Johannes Bruns betonte, die Verlegung zeige, dass Erinnerungskultur nicht nur in der Kernstadt stattfinde, sondern auch in den Ortsteilen. Pfarrer Markus Ebert schilderte die Lebensgeschichte von Friedrich Zippel. Demnach war er nicht nur Pfarrer, sondern auch Ehemann und Vater von fünf Kindern. Am 8. April 1941 wurde er von der Gestapo verhaftet und anschließend ins KZ Dachau deportiert. Dort überlebte er die Lagerhaft und kehrte im April 1945 in seine Pfarrstelle zurück.

Nach Angaben der Stadt hatten Briefe aus dem KZ, die in der Familie wiederentdeckt wurden, den Anstoß für die Recherche gegeben. In den vergangenen Monaten arbeiteten Ehrenamtliche aus Mühlhausen gemeinsam mit dem Kirchenkreis und dem Stadtarchiv die Lebensbiografie von Friedrich Zippel auf.

Zeichen für Grabe und die Stadt

Ortsteilbürgermeister Karsten Lutze sagte, es sei wichtig, sichtbar zu machen, welches Unrecht damals geschehen sei, auch in kleinen Dörfern. In Grabe sei die Geschichte von Pfarrer Zippel bekannt und werde weitergegeben; Kindergartenkinder hätten dazu eine Schautafel gestaltet.

Die Stolpersteine sind ein Kunstprojekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, das seit 1992 in zahlreichen europäischen Ländern umgesetzt wird und als das größte dezentrale Denkmal der Welt gilt. Die Messingtafeln erinnern an Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt, deportiert, ermordet, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. In der Regel liegen sie am letzten frei gewählten Wohnort der Verfolgten.

Bruns dankte dem Christlich-Jüdischen Arbeitskreis um Christiane Kretschmer, dem Kirchenkreis Mühlhausen mit Superintendent Christian Beuchel, Ortsteilbürgermeister Karsten Lutze, dem Team des Stadtarchivs Mühlhausen, der Familie Kannengießer sowie weiteren Engagierten, die die Verlegung vorbereitet hatten. Außerdem dankte er Bürgerinnen und Bürgern, die durch Spenden und persönliches Engagement die Stolpersteinverlegungen in Mühlhausen ermöglichen.

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