Gedenken an die wirtschaftliche Ausplünderung im Nationalsozialismus
Mühlhausen erinnert am 27. Januar an die Rolle der Finanzbehörden im Holocaust
Die Stadt Mühlhausen lädt auch in diesem Jahr ihre Bürgerinnen und Bürger zur öffentlichen Gedenkveranstaltung anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar ein. Im Fokus steht 2026 die wirtschaftliche Ausplünderung der deutschen Juden im Nationalsozialismus sowie die Rolle staatlicher Finanzbehörden bei der Umsetzung nationalsozialistischer Vernichtungspolitik.
Veranstaltungsdetails
Ablauf und Programm
Die Gedenkveranstaltung beginnt mit einer Eröffnung durch Oberbürgermeister Dr. Johannes Bruns. Im Anschluss spricht Pfarrer Marcus Ebert, Vertreter des Christlich-jüdischen Arbeitskreises im Kirchenkreis Mühlhausen. Den Hauptvortrag hält die renommierte Professorin Dr. Christiane Kuller von der Universität Erfurt.
Themenschwerpunkt: Wirtschaftliche Ausplünderung und Bürokratie
Im Mittelpunkt des Abends steht Prof. Dr. Kullers Vortrag "Reichtümer, die sie hatten, haben wir ihnen abgenommen – NS-Staat und das Vermögen der Juden". Sie beleuchtet, wie die deutsche Finanzverwaltung mit ihren zehntausenden Beschäftigten zum funktionalen Bestandteil der NS-Vernichtungspolitik wurde. Besonderes Augenmerk liegt auf institutionellen Abläufen, gesetzlichen Rahmenbedingungen und dem Verhalten der beteiligten Beamtinnen und Beamten.
Die Analyse des Vortrags zeigt, wie ganz gewöhnliche Beschäftigte der Finanzverwaltung maßgeblichen Anteil an den Verbrechen gegenüber der jüdischen Bevölkerung hatten. Prof. Dr. Kuller verdeutlicht die erschreckenden Konsequenzen des bürokratischen Handelns und seine Auswirkungen auf die Opfer.
Zur Person der Referentin
Christiane Kuller ist seit 2013 Professorin für Neuere Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik an der Universität Erfurt. Ihre Forschungsschwerpunkte reichen von der Sozialpolitik über Judenverfolgung im Nationalsozialismus bis zur Geschichte von Erinnerungskulturen. Im September 2025 wurde sie zur Schiedsrichterin der neuen Schiedsgerichtsbarkeit für NS-Raubgut der Bundesregierung berufen.
Hintergründe zum Gedenktag
Die Gedenkveranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Dr. Johannes Bruns und wird gemeinsam vom Christlich-jüdischen Arbeitskreis im Kirchenkreis Mühlhausen, dem Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein sowie dem Rotary Club Mühlhausen organisiert.
Der 27. Januar erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee im Jahr 1945. Seit 1996 ist der Tag offizieller bundesweiter gesetzlicher Gedenktag in Deutschland, die Vereinten Nationen erklärten ihn 2005 zum Internationalen Holocaust-Gedenktag.
Die Stadt Mühlhausen setzt mit ihrer Veranstaltung ein klares Zeichen gegen das Vergessen und lädt zur aktiven Auseinandersetzung mit der Geschichte ein. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, an der Gedenkstunde teilzunehmen.
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